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Unsere Arbeit
"Seid nicht gleichgültig!" |
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Zeitzeugenprojekt im Bistum Magdeburg mit Henriette Kretz |
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Das Maximilian-Kolbe-Werk konnte im November Henriette Kretz zu einem Zeitzeugenprojekt im Jugendhaus St. Michael in Roßbach/Naumburg
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Henriette Kretz (73) aus Antwerpen ist gebürtige Polin. Vor den heranrückenden Deutschen flieht die jüdische Familie mit der kleinen Henriette nach Lwiw (Lemberg) in der heutigen Ukraine. Später kommt sie ins benachbarte Sambor. Dort wird sie von der Gestapo verhaftet und soll nach Auschwitz deportiert werden. Ihr Vater, ein Arzt, kann sie allerdings rechtzeitig aus dem Gefängnis herausschleusen. In verschiedenen Verstecken überlebt sie die Zeit des nationalsozialistischen Terrors. Allerdings muss sie mit ansehen, wie ihre Eltern erschossen werden. Nach dem Krieg kommt Henriette Kretz auf Umwegen nach Antwerpen. Sie wird Lehrerin, verbringt 13 Jahre in Israel und lebt seit 1969 wieder in Belgien. Nikola Deschauer von der Arbeitsstelle für Jugendpastoral im Bistum Magdeburg schildert hier ihre Eindrücke: "Das ist wirkliche Geschichte" Bereitwillig und bewegend erzählte Henriette Kretz ihre Lebensgeschichte, gespannt hörten die Jugendlichen zu, tief gerührt und betroffen war die Stimmung an den entscheidenden und traurigen aber überlebenswichtigen Punkten. "Es fällt mir nicht leicht, euch meine Geschichte zu erzählen, aber es macht mein Herz ein wenig leichter", so Henriette Kretz. Überwältigung ließ die gesamte Gruppe in manchen Momenten fast erstarren, aber das Schweigen war nicht peinlich. "Das ist wirkliche Geschichte. Geschichtsunterricht ist uns nie so nahe gegangen", resümierten die Jugendlichen. Tiefer Respekt Wichtig für Henriette Kretz war aber bei weitem nicht nur, die eigene Geschichte zu erzählen, sondern die Konsequenzen daraus für jeden Menschen zu diskutieren. Wo schauen wir weg? Wo zeigen wir Mut? Wie kann uns das Leid anderer Menschen kalt lassen? Wo und wie handeln wir? Wir haben Verantwortung und diese gilt es zu zeigen. Sie selbst konnte nur überleben, weil andere Menschen ihre Mitmenschlichkeit über Angst und Egoismus gestellt haben - normale Menschen mit nicht mehr Mut als ein jeder von uns. Ihre zentrale Botschaft lautete also immer wieder: "Seid nicht gleichgültig!" und brannte sich in Herz und Hirn eines jeden Teilnehmenden. Überall mittendrin Der tiefe Respekt vor der Frau war den Jugendlichen anzumerken, Respekt, der zunächst ein wenig Distanz schaffte. Aber das Eis schmolz schnell, als Henriette Kretz Witze erzählte, Porträts zeichnete, den Jugendlichen israelische Tänze beibrachte, bei einem Glas Wein ins Plaudern kam - und somit zur coolen alte Dame wurde, die alle in ihr Herz schlossen. Sie war überall mittendrin - in Gesprächen beim Essen, beim Ausflug nach Naumburg, in den Gebeten und Gottesdienst, die sie als Jüdin mit uns Christen verband und nicht trennte. Sicherlich ein Wochenende, das von wenig Action, aber reichlich Tiefgang geprägt war; das Betroffenheit und Fröhlichkeit verband, das Geschichte erlebbar machte und große Fragen an das eigene Menschsein stellte. Tief beeindruckt und dankbar für diese Tage fuhren alle wieder nach Hause; bewusst, dass dies eine der letzten Gelegenheiten war, einen Zeitzeugen der NS-Zeit zu erleben. Vielleicht ja auch ein guter Beweggrund, den Kontakt aufrecht zu erhalten und die Gegeneinladung nach Antwerpen anzunehmen. |
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