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Doppelt verfolgt |
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Julijana Zarchi erzählt in Detmold über ihre Verfolgung durch die Nationalsozialisten und Sowjets |
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"Es ist ein Wunder, dass wir überlebt haben", sagt Julijana Zarchi immer wieder. Scheinbar sprachlos hören der 73-Jährigen
die Gäste im erhell erleuchteten Veranstaltungsraum der Stadtbücherei Detmold zu. Als Tochter einer Deutschen aus Düsseldorf
und eines litauischen jüdischen Vaters wird sie 1938 in der kleinen Provizstadt Uckmerge geboren. Über ihr Schicksal während
und nach dem Zweiten Weltkrieg berichtet Julijana Zarchi auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werks und der Gesellschaft für
Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe sowie der Stadt Detmold.
Die Zeitzeugin wurde im Sommer 1941, nachdem die deutsche Wehrmacht in Litauen einmarschierte, als Dreijährige von ihrer Mutter
getrennt und in das neu errichtete Ghetto von Kaunas gebracht. Wie lange sie dort war, weiß sie nicht. Doch die Erinnerung
an die Befreiung ist klar und deutlich: "Ich wurde durch den Stacheldraht geschoben und jemand rief 'Lauf!'." Sie rannte in
die Arme ihrer Mutter. Während sie mit ihrer Mutter und Großmutter den Zweiten Weltkrieg im Versteck überlebte, wurden ihr
Vater und seine jüdische Familie umgebracht. Den zweiten Schicksalsschlag erlebte sie nach Kriegsende. Denunziert als "deutsche
Faschisten" verschleppten die Sowjets sie und ihre Mutter zur Zwangsarbeit nach Tadschikistan. Erst nach 17 Jahren kehrte
sie in ihre Heimat Kaunas zurück.
Während der vier Tage in Deutschland begegnet Julijana Zarchi bei den Vorträgen in den Schulen und Einrichtungen vielen jugendlichen
Zuhörer. Dabei ist es ihr immer wieder ein persönliches Anliegen, mit Vorurteilen gegenüber Juden aufzuräumen und Aufklärungsarbeit
zu leisten. "In den letzten Jahren habe ich vielen jungen Menschen von meinen Erlebnissen erzählt. Ich werde es auch weiter
tun, solange wie es möglich ist." Beeindruckt zeigt sich Julijana Zarchi von den zwölf Schülerinnen und Schülern des Marianne
Weber-Gymnasiums, die sich im Sommer auf den Weg nach Litauen machen, um dort an der Sanierung des jüdischen Friedhofs Birzai
mitzuhelfen. Schon im Herbst 2011 hatten Schüler und Lehrer des Gymnasiums sowie Bürger aus Lippe auf dem Friedhof von Birzai
960 Grabsteine freigelegt und von Wildwuchs befreit. "Ich werde auch dieses Jahr die Gruppe wieder besuchen", versprach Julijana
Zarchi den Schülern.
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