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Rundbrief 02/2018

SPENDENAKTION

Hilfe für Überlebende der Osaritschi-Lager in Weißrussland

Die soziale Lage vieler Weißrussen ist katastrophal: das Durchschnittseinkommen sinkt, Arbeiter und Studenten sehen in der weißrussischen Planwirtschaft keinerlei Zukunft mehr. Die Armut trifft vor allem die alten Menschen. In vielen Fällen reicht ihre Rente nur für eine äußerst bescheidene Existenz auf dem Land.

So ergeht es auch Lidia Kondral: "Meine Rente reicht nicht für alle Medikamente, die ich so dringend brauche", sagt die 84-jährige Überlebende des Lagers Osaritschi. Lesen Sie mehr dazu in unserem aktuellen Rundbrief.

Vor kurzem hat unser ehrenamtlicher Mitarbeiter Herbert Meinl Lidia Kondral und andere kranke Überlebende der Osaritschi-Lager in der Region Gomel besucht und ihnen eine finanzielle Beihilfe von 200 Euro überbracht. Vor dem Osterfest wurden 100 weitere Überlebende ebenfalls von uns unterstützt.

Bei der Durchführung dieser Osteraktion sind wir auf breite Unterstützung angewiesen. Bitte helfen Sie den Überlebenden in Weißrussland.


IHRE SPENDE KOMMT AN

Hausbesuche bei kranken Osaritschi-Überlebenden

Region Gomel, 16.-20. März 2018

Am 17. und 18. März 2018 haben Herbert Meinl (rechts im Bild), Ehrenamtlicher des Maximilian-Kolbe-Werkes aus Friedrichshafen, und Dr. Alexander Grachozkij (links), Begleiter und Dolmetscher aus Gomel, neun bettlägerige und kranke Osaritschi-Überlebende in der Region Gomel besucht und ihnen finanzielle Unterstützung des Maximilian-Kolbe-Werks überbracht. Am 19. März 2018 nahmen sie an den Gedenkfeierlichkeiten zum 74. Befreiungstag des Lagers Osaritschi durch die Rote Armee teil. Die bei den Krankenbesuchen gewonnenen Eindrücke hat Herbert Meinl für uns zusammengefasst.

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Herbert Meinl: "Wir wurden mit Herzlichkeit und Segenswünschen für die 'guten Deutschen' überschüttet."

Alle neun Überlebenden des Lagers Osaritschi, die Alexander Grachozkij und ich in der Region Gomel besucht haben, sind schwerkrank: Sechs von ihnen können die Wohnung nicht mehr verlassen, zwei sind permanent bettlägerig und eine Person ist an Bett bzw. Rollstuhl gefesselt. Deswegen war auch keine/r der Besuchten in der Lage, an den Gedenkfeierlichkeiten zum 74. Befreiungstag von Osaritschi am 19. März teilzunehmen.

Zu Besuch bei Lidia Kondral (84)

Finanzielle Situation: Selbst wenn die besuchte Person noch mit dem Ehepartner zusammenlebt, reichen beide Renten zusammengenommen kaum für Miete, Lebenshaltung und Medikamente aus. Größere Anschaffungen oder Reparaturen liegen außerhalb der Möglichkeiten. Dies haben wir bei einem Besuchten erlebt, der in einem Haus mit dem undichten Dach wohnt, weil das Geld für die Reparatur fehlt.

Pflege: Für die Pflege einer bettlägerigen Frau, die wir besucht haben, werden z.B. Inkontinenzhilfen benötigt. Eine bestimmte Menge ist kostenlos erhältlich; sie reichen aber nicht aus und müssen zugekauft werden. In der Versorgung pflegebedürftiger Personen sind die Familien weitgehend auf sich gestellt. Die Last liegt in der Regel bei dem inzwischen auch betagten Ehepartner. Oft wird die Pflege von den Kindern geleistet, die aber selbst bereits 65 Jahre alt sind. Pflegende Personen sind oft selbst Patienten. Generell gilt, dass nur durch engen Familienzusammenhalt Pflege überhaupt erst möglich wird.

Maria Sudakowa (*1938) freute sich über den Besuch aus Deutschland. Sie lebt mit ihrer Tochter zusammen, die auch die Pflege bewerkstelligt. Maria hat als Sechsjährige das Lager Osaritschi überlebt.
Boris Nowik (79) lebt im eigenen Haus außerhalb von Gomel. Das Dach des Hauses ist undicht, die Reparatur kann er sich nicht leisten.

 

Die Dankbarkeit dafür, dass ein Deutscher zu Besuch kommt und ein Geschenk sowie die Grüße des Maximilian-Kolbe-Werks und vieler Menschen aus Deutschland überbringt - und dies am Vorabend der Osaritschi-Gedenkfeierlichkeiten und aus Anlass des nahen Osterfestes - war überwältigend. Wir wurden mit Herzlichkeit und Segenswünschen für die "guten Deutschen" überschüttet."

Das Lagerkomplex Osaritschi

Drei Lager entstanden Anfang März 1944 im Sumpfgebiet um den Ort Osaritschi im südlichen Weißrussland. Die Wehrmacht internierte dort unter freiem Himmel die Angehörigen von nach Deutschland verschleppten Zwangsarbeitern. Die Gefangenen, zumeist Alte, Kranke und Kinder, galten als "nicht arbeitsfähig" und wurden deshalb bewusst dem Hunger- und Kältetod ausgeliefert. Innerhalb von nur einer Woche starben mehr als 9.000 Menschen. Als die Rote Armee am 19. März 1944 die Lager befreite, fand sie neben den Toten 33.480 hungernde und entkräftete Zivilisten, unter ihnen 15.960 Kinder unter 14 Jahren.

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