„Ich sehe, dass die Menschheit in die falsche Richtung geht! In der Wissenschaft und Technik haben wir sehr große Schritte gemacht, aber wir haben noch nicht gelernt, auf der Erde zusammenzuleben.“ Mit diesen eindringlichen Worten appellierte die Holocaust-Überlebende Henriette Kretz während ihres erneuten Besuchs in der StädteRegion Aachen an die junge Generation. Auf Einladung des Bildungsbüros der StädteRegion Aachen war die 91-Jährige gemeinsam mit ihrer Begleiterin Stephanie Roth Anfang Mai 2026 erneut in der Region zu Gast.

An den ersten drei Tagen der Besuchswoche organisierte die StädteRegion Aachen in Kooperation mit dem Maximilian-Kolbe-Werk Zeitzeugengespräche an der Kupferstädter Gesamtschule Stolberg, dem Inda-Gymnasium Aachen sowie am Gymnasium Herzogenrath, an dem auch Schülerinnen und Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Alsdorf teilnahmen.

In ihren Vorträgen berichtete Henriette Kretz eindrucksvoll von ihrer Kindheit in Polen, der Flucht ihrer Familie nach Lemberg und Sambor, dem Leben im Ghetto, den Jahren in wechselnden Verstecken sowie der Ermordung ihrer Eltern durch deutsche Soldaten. Mit großer Offenheit schilderte sie die traumatischen Erfahrungen ihrer Kindheit und machte deutlich, dass die Folgen der nationalsozialistischen Verbrechen bis heute nachwirken. „Die Narben bleiben“, betonte sie. Gleichzeitig richtete sie ihren Blick in die Zukunft: Die Jugend sei „wunderbar und voller Ideen“, aber auch leicht zu beeinflussen. Deshalb ermutigte sie die Schülerinnen und Schüler, Verantwortung zu übernehmen, demokratische Werte zu schützen und jeder Form von Antisemitismus, Hass und Ausgrenzung entgegenzutreten.

Ein besonderer Höhepunkt der Besuchswoche war die öffentliche Abendveranstaltung an der RWTH Aachen. Sie richtete sich insbesondere an Lehramtsstudierende des Instituts für Politische Wissenschaft und wurde in Kooperation mit der StädteRegion Aachen, der RWTH Aachen sowie dem Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung durchgeführt. Gefördert wurde die Veranstaltung durch das Projekt „Partnerschaften für Demokratie in der StädteRegion Aachen“ im Bundesprogramm „Demokratie leben!“. Gemeinsam mit den Schulveranstaltungen konnten so rund 1.000 Menschen erreicht werden.

Am Donnerstag war die Städtische Realschule Geilenkirchen Gastgeberin eines weiteren Zeitzeugengesprächs. Am Abend folgte eine öffentliche Veranstaltung des Philomena-Franz-Forums e. V. in Rösrath, bei der Henriette Kretz auch mit einem breiten Publikum ins Gespräch kam. Den Abschluss der Besuchswoche bildete am Freitag ein Zeitzeugengespräch an der Elly-Heuss-Knapp-Realschule in Köln.