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Eine bereichernde Zeit

02.06.2021     Seit 20 Jahren arbeiten junge Freiwillige aus Deutschland für das Maximilian-Kolbe-Werk in Polen. Sie besuchen Überlebende und unterstützen sie zu Hause. Für die ehemaligen Häftlinge, die in deutschen Konzentrationslagern oder Ghettos interniert waren, ist es eine besondere Erfahrung, wenn junge Deutsche ihnen Zeit und Aufmerksamkeit schenken.

Den Beginn machten zwei Freiwillige in unserem Sozialmedizinischen Zentrum Lodz, bald folgten die Städte Danzig, Krakau, Lodz, Lublin und Warschau. Auch Freiwillige aus der Ukraine sind für das Maximilian-Kolbe-Werk im Einsatz. Wir kooperieren dabei mit der Aktion Sühnezeichen - Friedensdienste.

Annemarie Schlesiona absolviert aktuell ihren Freiwilligendienst in Warschau. Neben ihrer Arbeit in der Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung besucht sie KZ- und Ghetto-Überlebende für das Maximilian-Kolbe-Werk.

Bericht von Annemarie Schlesiona

"Jeden Montag gehe ich zur Pani Anna. Sie ist 95 Jahre alt und lebt schon ziemlich lange in Warschau. Ich versuche sie vor allem im Alltag zu unterstützen, indem ich Botengänge erledige, beim Abwasch oder beim Aufräumen helfe. Sie ist eine sehr herzliche, aufgeweckte und liebe Dame, die gerne lacht und ebenso viel erzählt.

Pani Zofia (links im Bild) besuche ich donnerstags. Sie ist sogar schon 97 Jahre alt und lebt in ihrer Wohnung zusammen mit einer Pflegerin. Mit Pani Zofia bin ich fast den ganzen Tag zusammen, wir unterhalten uns über verschiedene Themen, schauen gemeinsam fern, oder ich suche die Texte von Liedern und Gedichten aus ihrer Zeit in Auschwitz im Internet heraus. Es ist sehr emotional, wenn sie diese Lieder und Gedichte aufsagt. Für sie sind diese Stücke mit Erinnerungen verbunden - manchmal erzählt sie mir auch ganz konkret von dem, was sie dort erlebt und gesehen hat. Diese Momente sind für mich ganz besonders.

Es freut mich, dass ich die beiden Damen kennenlernen durfte. Die Offenheit, Herzlichkeit und Energie der beiden Damen sind für mich immer wieder erfrischend. Sie freuen sich über meine Anwesenheit und ich freue mich, dass ich sie unterstützen kann. Die Zeit in Warschau ist für mich unglaublich bereichernd."

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