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"Ein Stück Weihnachtsgefühl schenken"

Hilfe für Überlebende in Lviv

12.01.2022     Mit unserer Hilfsaktion im Vorfeld des orthodoxen Weihnachtsfests am 7. Januar konnten wir vielen Überlebenden der Konzentrationslager und Ghettos im ukrainischen Lviv eine große Freude bereiten. In Zusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation, dem Lviver Medico-Sozialen Zentrum (MSZ), ließen wir den Senioren reihhaltige Lebensmittelpakete im Wert von 50 Euro sowie finanzielle Beihilfen von je 300 Euro zukommen.

Kira Schijka (83) kann die finanzielle Unterstützung gut gebrauchen.

Zielgruppe dieser Aktion waren in erster Linie alleinstehende Senioren wie Kira Schijka. Die 83-Jährige ist seit vielen Jahren Witwe und hat keine Kinder. Die Holocaust-Überlebende musste sich im Dezember einer schweren Herz-Operation unterziehen und wurde zwei Wochen lang im Krankenhaus behandelt. Als unsere Helferinnen vom MSZ Lviv sie besuchten, war sie gerade einige Tage wieder zuhause.

"Die finanzielle Unterstützung kann ich jetzt gut gebrauchen", sagte Frau Schijka. Für die Herz-OP und den Krankenhausaufenthalt hat sie viel Geld ausgegeben. "Und das jetzt im Winter, wo ich ohnehin schon hohe Ausgaben für die Heizung habe". Die Beihilfe des Kolbe-Werks entspricht drei Monatsrenten und bedeutet für Kira Schijka eine große finanzielle Entlastung.

So wie Kira Schijka geht es vielen alten Menschen in der Ukraine. "75 % der ukrainischen Rentner leben an der Armutsgrenze", weiß Nina Dobrenka, Direktorin des MSZ. "Rentner-Ehepaare kommen noch über die Runden, doch die Alleinstehenden wären ohne die Unterstützung von Angehörigen verloren".

Die Geschenkpakete stellte Nina Dobrenka mit Iryna Valko, Krankenschwester im MSZ, zusammen und brachte sie persönlich zu den Menschen nach Hause. Eingepackt wurden neben verschiedenen Grundnahrungsmitteln auch einige Leckereien, "um die festlichen Weihnachtstage zu bereichern".

Oleksandr Bezus freut sich über die Weihnachtsgeschenke des Kolbe-Werks.

Einer der Hilfeempfänger war der 60-jährige Oleksandr Bezus. Er ist Sohn einer Auschwitz-Überlebenden und hat von Kindheit an eine Behinderung. Seit dem Tod der Mutter vor einigen Jahren ist er komplett auf sich allein gestellt. Oleksandr Bezus bezieht eine kleine Rente und versucht seinen Alltag so gut es geht zu meistern.

"Mit dem Aufräumen oder Einkaufen kommt er ziemlich gut allein zurecht", sagt Iryna Valko. Seine Wäsche kann Oleksandr regelmäßig in der Mini-Wäscherei des MSZ kostenlos waschen lassen. "Das Kochen fällt ihm aber schwer, Nudeln stehen häufig auf dem Speiseplan. Umso größer war seine Freude über die vielen Leckereien im Lebensmittelpaket, das er zu Weihnachten geschenkt bekam."

Unsere Weihnachtsaktion hat in Lviv seit vielen Jahren Tradition. Vor Corona fuhren unsere Ehrenamtlichen aus Deutschland jährlich nach Lviv, besuchten die Menschen zuhause und organisierten für die Senioren eine Weihnachtsfeier. Seit zwei Jahren ist es nun nicht mehr möglich.

"Bei den vorweihnachtlichen Besuchen wurde uns nochmals bewusst, wie sehr sich die Senioren nach der Normalität und nach menschlicher Zuwendung sehnen", stellt Nina Dobrenka fest. "Die steigenden Preise, die andauernde Pandemie sowie der Krieg im Osten - es gibt wenig Anlass zur Freude. Mit dieser Hilfsaktion konnten wir den KZ- und Ghetto-Überlebenden ein Stück Weihnachtsgefühl schenken".

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