Hintergrund
polnischrussischenglisch

Polnische KZ-Überlebende zu Gast in Berlin

05.09.2022     Zwölf polnische KZ- und Ghetto-Überlebende kamen vom 20. August bis 1. September 2022 auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werks zu Tagen der Erholung und Begegnung nach Berlin. Obwohl die meisten der 80- bis 93-jährigen Gäste schon einmal in Deutschland waren, freuten sie sich über diesen Besuch ganz besonders. "Es tut gut, wieder reisen zu können. Wir freuen uns darauf, die deutsche Hauptstadt zu erkunden und neue Menschen kennenzulernen", sagte ein Teilnehmer.

Begleitet wurden die polnischen Besucher bei ihren Aktivitäten von einem Team von ehrenamtlich Engagierten des Maximilian-Kolbe-Werks und zwei Dolmetscherinnen aus Polen. Untergebracht waren die Gäste und ihre Begleiter im Evangelischen Diakonieverein Berlin-Zehlendorf im Südwesten der Hauptstadt.

Die polnischen Gäste und ihre Begleiter vor dem Brandenburger Tor. Foto: Anna Macko

Der Aufenthalt verlief unter dem Motto "Begegnen im Dienst der Versöhnung". Denn auch 77 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs sind bei vielen KZ- und Ghetto-Überlebenden die alten Wunden noch immer nicht geheilt. Daher standen neben den Besichtigungen und Ausflügen auch Begegnungen und Empfänge im Roten Rathaus und im Erzbischöflichen Ordinariat auf dem Programm.

Empfang im Roten Rathaus durch Bürgermeisterin Bettina Jarasch. Foto: Nils Stelte

Einer der Höhepunkte des Aufenthalts war nach Aussage einiger Teilnehmender der Empfang beim Berliner Erzbischof Heiner Koch am 29. August. Die Bedeutung der Erinnerung an NS-Opfer sei "lebensnotwendig", betonte der Erzbischof.  "Das Erinnern darf nie aufhören. Wir brauchen es, wir brauchen aber vor allem die Begegnung mit Zeitzeugen und Menschen wie Ihnen und Ihre Erzählungen. Ohne Erinnern ist keine Zukunft möglich."

"Mit den Erinnerungen an das Entsetzliche müssen wir leben, bis wir sterben", sagte Bogdan Bartnikowski. Mit seinen 90 Jahren war der Auschwitz-Überlebende einer der Ältesten in der Gästegruppe. Seine Erinnerungen hat er im Buch "Eine Kindheit hinterm Stacheldraht" niedergeschrieben. Ein Exemplar schenkte er dem Erzbischof.

Bogdan Bartnikowski schenkte dem Erzbischof Koch sein Buch "Eine Kindheit hinterm Stacheldraht". Foto: Walter Wetzler.

Ein besonderes Erlebnis bescherte die Reise nach Berlin auch dem 84-jährigen Eugeniusz Dabrowski. Während des Zweiten Weltkriegs kam er mit seiner Mutter nach der Haft im Konzentrationslager Majdanek nach Brandenburg, wo die Mutter Zwangsarbeit leisten musste. Dort bekamen sie heimlich Hilfe von brandenburgischen Bauern. Nun konnte Herr Dabrowski den 60 Kilometer von Berlin entfernten Ort mit dem Maximilian-Kolbe-Werk besuchen. "Ich war überwältigt, an diesen Ort zurückzukehren," sagte der KZ-Überlebende.

Eugeniusz Dabrowski besuchte den Ort, an dem seine Mutter Zwangsarbeit leisten musste. Foto: Walter Wetzler

Das Besichtigungsprogramm umfasste zahlreiche Sehenswürdigkeiten und geschichtsträchtige Orte Berlins. Bei einer Spreerundfahrt entdeckten die Gäste die Hauptstadt per Schiff. Ein Tagesausflug nach Potsdam mit der Besichtigung des Schlosses Sanssouci diente der Erkundung des Landes Brandenburg.

"In Berlin wurden wir herzlich empfangen. Nach Hause fahren wir erholt und bereichert um viele wertvolle Erfahrungen und Eindrücke. Von den Erinnerungen an die schönen Tage werden wir noch lange zehren", sagte eine Teilnehmerin zum Abschied.

Foto: Walter Wetzler
Spenden