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„Freundschaft wird konkret in Begegnungen“

Freiburger Erzbischof Burger empfängt KZ- und Ghetto-Überlebende

16.08.2019     Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger empfing dieser Tage KZ- und Ghetto-Überlebende aus Polen, die zurzeit auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werks einen 14-tägigen Erholungsurlaub im Kloster St. Trudpert in Münstertal verbringen.

Der Erzbischof begrüßte die Gäste mit den Worten: "Ihre Vergangenheit stellt ein Verbrechen dar. Das deutsche Volk ist schuldig geworden." Er betonte, dass diese Vergangenheit eine Verpflichtung darstelle, aus der Geschichte zu lernen. "Ich hoffe, dass Sie heute ein anderes Deutschland erleben, mit einer jüngeren Generation, die so etwas nicht zulassen würde."

Ein anderes, demokratisches Deutschland kennenzulernen ist auch das Ziel der Aufenthalte wie im Münstertal, die das Maximilian-Kolbe-Werk für überlebende NS-Opfer seit mehr als 40 Jahren organisiert. In Begleitung von ehrenamtlich Engagierten Antje Hugle, Helga Gläser und Wieslaw Cislak absolvieren die Frauen noch bis zum 19. August ein abwechslungsreiches Programm mit Ausflügen in der Region Südbaden und im Schwarzwald sowie zahlreichen Begegnungen.

Bei der Begegnung mit dem Erzbischof schilderte Maria Stroinska (86) ihre Erinnerungen an den Warschauer Aufstand, der vor genau 75 Jahren niedergeschlagen wurde: "Unser Stadtteil lag in Flammen, weil Hitler befohlen hatte, Warschau in Schutt und Asche zu legen."

Die damals elfjährige Maria wurde daraufhin wie Tausende Warschauer ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Sie überlebte, kehrte nach Warschau zurück und wurde Lehrerin.

Auch die anderen Frauen, die heute im Alter von 74 bis 90 Jahre sind, wurden als Kinder und Jugendliche u.a. in den Lagern Auschwitz-Birkenau, Zamosc oder Lyski interniert sowie in den Ghettos Warschau und Vilnius eingesperrt.

Krystyna Wisniewska, 86, (rechts) wurde während der Niederschlagung des Warschauer Aufstands nach Auschwitz deportiert. Anna Janowska-Cioncka (83) überlebte in einem Ghetto.
Jozefa Banach (86) war im Lager Zamosc interniert, in dem durch Hunger, Kälte und katastrophale sanitäre Bedingungen viele Kinder ums Leben gekommen waren.
Die Mutter von Elzbieta Ponewczynska (*1945) war bei der Deportation nach Auschwitz mit ihr schwanger. Elzbieta wurde zwei Monate nach der KZ-Befreiung geboren.

"Im Austausch mit Ihnen erfahren wir, dass es nicht selbstverständlich ist, in Frieden zu leben. Dieses Zeugnis müssen wir an die junge Generation weitergeben", sagte Erzbischof Burger. Er beklagte, dass es "in vielen Ländern nach wie vor Menschen verfolgt werden oder im Krieg leben müssen". Gemeinsam mit den polnischen Besucherinnen betete der Erzbischof für die Opfer von Krieg und Verfolgung. Zum Abschied sagte er: "Freundschaft ist nichts Abstraktes, sondern wird konkret in Begegnungen. Deshalb bin ich dankbar für diese Begegnung mit Ihnen."

Seit 1989 erholen sich polnische Frauen, die NS-Konzentrationslager überlebt haben, jährlich im Kloster St. Trudpert in Münstertal. Der Aufenthalt wird von der Schwesternschaft St. Josef an das Maximilian-Kolbe-Werk gespendet. "Die herzliche Aufnahme durch die Schwestern, die Ruhe im Kloster und im schönen Klostergarten sowie die ausgezeichnete Verpflegung tragen dazu bei, dass sich die polnischen Frauen in St.Trudpert sehr wohlfühlen", sagt Antje Hugle. Wir danken der Oberin des Klosters, Schwester Theresa, und allen Schwestern für ihre Gastfreundschaft.

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