Hintergrund
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Krystyna Budnicka (geb. 1932), Warschau/ Polen

Überlebende des Warschuer Ghettos

"Ich wünsche Euch, dass Ihr Euch in Zukunft nicht mehr Geschichten wie meine anhören müsst: Die Geschichte eines kleinen Mädchens, das in der Kanalisation des Warschauer Ghettos ums Überleben kämpfen musste. Jedes Kind hat das Recht auf Glück und Frieden."

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Krystyna Budnicka wurde am 8. Mai 1932 in Warschau als Hena Kuczer als achtes Kind einer strenggläubigen jüdischen Familie geboren. Sie hatte sechs Brüder und eine Schwester. Ihr Vater besaß eine kleine Schreinerwerkstatt. Bei Kriegsausbruch war Hena erst sieben Jahre alt. Das Haus in dem ihre Familie wohnte, befand sich in dem von den deutschen Besatzern errichteten Ghetto. Als das Ghetto verkleinert wurde, mussten Hena und ihre Familie mehrmals umziehen.

Im Juli 1942 wurden zwei ältere Brüder von Hena mit ihren Familien in das Vernichtungslager Treblinka abtransportiert und dort ermordet. Anfang 1943 versteckte sie sich mit ihren Eltern, ihren Geschwistern und einer Schwägerin in einem selbstgebauten unterirdischen Bunker im Ghetto. Dort überlebten sie den Aufstand im Ghetto. Als der Bunker Monate später entdeckt wurde, versuchten sie über einen Abwasserkanal auf die sogenannte "arische Seite" zu fliehen. Die meisten Angehörigen von Hena konnten sich jedoch nicht retten, sie starben nach und nach vor Hunger und Erschöpfung oder wurden von den Deutschen ermordet. Nur Hena und ihrer Schwägerin ist es gelungen, aus dem Ghetto zu fliehen und sich bei polnischen Familien zu verstecken. Wegen der drohenden Gefahren mussten sie mehrmals ihre Verstecke wechseln. Hena fand zuletzt Unterschlupf bei der Familie Budnicki.

Nachdem ihr Bruder Rafal im Januar 1944 von der Gestapo ermordet wurde, war sie die einzige, die von ihrer Familie am Leben geblieben war. Im Oktober 1944 wurde Hena von Nonnen in ein Waisenhaus unter den Namen Krystyna Budnicka aufgenommen.

Krystyna Budnicka machte nach dem Krieg Abitur, studierte Pädagogik an der Katholischen Universität in Lublin und arbeitete später als Sonderschullehrerin. Seit 1990 engagiert sie sich in der Vereinigung "Kinder des Holocaust". Krystyna Budnicka ist Ehrenbürgerin der Stadt Warschau.

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