Hintergrund
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Zachar Tarasiewitsch (geb. 1934), Grodno/ Belarus

Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau  

"Wenn ich nach Auschwitz zurückkomme, bin ich mit Tränen und Blut konfrontiert, die die Erde des Lagers durchdringen. Heute erleben wir, dass sich solche Ereignisse wiederholen".  

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Zachar Tarasiewitsch wurde 1934 in Lesimyj, einem Dorf etwa 150 Kilometer nordöstlich von Minsk geboren. Er hatte sechs Geschwister, sein Vater leitet eine Kolchose. Als der kleine Sachar fünf Jahre alt war, brach der Zweite Weltkrieg aus: "Wir Kinder wussten, was der Krieg bedeutete, wir standen in Kontakt mit den Grenzern und den Schmugglern. In den Wäldern organisierten sich die Partisanen, denen sich im Frühjahr 1942 auch mein Vater und mein Bruder Aleksej anschlossen", erzählt er.  

Zwei Wochen im Zug  

Das Kind kam mit dem Rest der Familie in dieser Zeit in die nächstgrößere Stadt Lepiel. Seine Schwester Jelena wurde nach Deutschland verschleppt. Eine weißrussische Frau verriet die Familie als Partisanen. Sie wurden aufgegriffen und über Witebsk - dort waren sie kurze Zeit in der Haftstätte des 5. Regiments -nach Auschwitz gebracht. Der Zug hielt nur drei Mal während dieser zweiwöchigen Fahrt, damit sich alle Wasser besorgen und Brot empfangen konnten.

Am 30. September 1943 kamen sie in Auschwitz-Birkenau an. "Am nächsten Morgen mussten wir die Baracke räumen und alle Sachen liegen lassen. Männer hatten sich auf einer Seite und Frauen mit Kindern auf der anderen Seite aufzustellen. Haarschnitt, Dusche, Desinfektion, Sträflingskleidung, waren die nächsten Stationen. Meine eintätowierte Nummer auf dem Unterarm lautet 149801", erinnert er sich.  

Zwangsentbindung wurde eingeleitet  

Der 8-jährige Zachar Tarasiewitsch kam ins jüdische Frauenlager, in die Baracke Nummer 2. Er sah die jüdischen Frauen. Sie weinten und rissen die Arme hoch, wenn sie die kleine Schwester Antonina hochhielten. Aus den Archiven weiß Tarasiewitsch, dass er unter den ersten Kindern war, nicht mehr sofort umgebracht wurden.  

In Birkenau brachten ihnen einige Häftlinge ab und an Brot. Die deutsche Köchin aus der benachbarten Baracke rief sie häufig zu sich. Wenn die Luft rein war, gab sie Kartoffeln, Kohl, manchmal Brot. "Wir steckten die Sachen in unsere Hemden und liefen in die Baracke zurück. Die Kartoffeln haben wir roh gegessen."  

Viel schlimmer wurde es für die Familie, als bei seiner Schwester Aleksandra die Wehen einsetzten: Das SS-Hygiene-Institut des SS-Hauptsturmführers Josef Mengele leitete eine Zwangsentbindung ein. "Meine Schwester hat nie erfahren, ob es ein Junge oder ein Mädchen war. Sie kam in die Baracke zurück, weinte bitterlich, und wir alle saßen zusammen und weinten mit."

Später holten sie Antonina, dann Wolodimir und schließlich ihn. "Sie nahmen uns Blut ab und machten irgendwelche Einstiche. Es wurde mir sehr heiß. So ging es vier Tage lang." Seine Schwester Antonia und sein Bruder Wolodimir überlebten diese Versuche nicht. Auch seine Mutter und die übrigen Geschwister starben im Lager.  

Vater findet ihn beim Volleyballspiel  

Zachar Tarasiewitsch blieb allein zurück und kam im Februar 1944 ins Lager Potulice. Dort gab es auch ein Krankenhaus. Kinder mussten Blut spenden. "Man machte mir drei Einstiche und es kam kein Blut heraus. Ich konnte wieder in die Baracke zurück." Im Mai 1944 kam er nach Konstantynow bei Lodz im heutigen Polen. Dort wurde er am 18. Februar 1945 befreit.

"Ich habe ja am 9. Mai, dem Ende des Zweiten Weltkrieges, Geburtstag. Das ist ein symbolisches Datum für mich. Nur mein Vater, mein Bruder Aleksej und meine Schwester Jelena überlebten den Krieg." Er lebte zunächst in einem Kinderheim, und sein Vater fand ihn beim Volleyballspiel. Sie gingen zurück nach Weißrussland.

"Nach dem Studium arbeitete ich im Hochspannungsleitungsbau. 34 Jahre lang. Alle Angebote ins Ausland zu gehen - nach Indien, Syrien, Libyen und andere Länder, habe ich stets abgelehnt. Ich bin im Lande geblieben."

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