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Hilfe für KZ-Überlebende in Belarus

Vor der Corona-Pandemie besuchte Janina Dziemianiec (links) die KZ-Überlebenden persönlich. Jetzt koordiniert sie die Hilfen von Zuhause aus, weil sie selbst zur Risikogruppe gehört.

17.04.2020     Die KZ-Überlebenden in Belarus/ Weißrussland machen sich große Sorgen, auch wenn ihr Präsident die Corona-Pandemie herunterspielt. Sie sind aufgeregt und malen sich aus, was mit ihnen passieren könnte, wenn der Ernstfall eintritt. Wir stehen mit vielen Überlebenden im telefonischen Kontakt, hören uns ihre Sorgen an und sichern ihnen schnelle Unterstützung zu.

Dass die Hilfen des Maximilian-Kolbe-Werks die Menschen in Belarus erreichen, haben wir unseren Partnern vor Ort zu verdanken. In Baranowitschi im Westen des Landes ist Janina Dziemianiec unsere Ansprechpartnerin und Helferin. Die 79-Jährige ist selbst KZ-Überlebende und Vorsitzende der Vereinigung ehemaliger minderjähriger Häftlinge in Baranowitschi.

In der vergangenen Woche konnten wir mit ihrer Hilfe die KZ-Überlebenden in Baranowitschi mit Beihilfen von je 400 Euro unterstützen.

"In Belarus gibt es keine Quarantäne"

"Bei uns in Belarus gibt es keine Quarantäne, Schulen und Geschäfte haben geöffnet", erzählt Janina Dziemianiec. Nach Angaben des belarussischen Gesundheitsministeriums gibt es im Land zurzeit (Stand: 16.4.2020) rund 4200 Infizierte, 40 Personen sind gestorben. Von insgesamt 9,5 Millionen Belarussen wurden bis jetzt allerdings nur ca. 80 000 Menschen getestet.

"Die alten Menschen, darunter auch KZ-Überlebende, haben große Angst, ihre Wohnung zu verlassen". Auch Janina selbst geht nicht aus dem Haus, da sie vor kurzem einen Herzinfarkt erlitten hat. "Meine Tochter versorgt mich mit allem, was ich brauche".

Schnelle Hilfe für Alleinstehende

In Baranowitschi gibt es jedoch viele alleinstehende KZ-Überlebende, die ohne fremde Hilfe nicht auskommen können. Diese werden von Ehrenamtlichen der Vereinigung ehemaliger Häftlinge und Mitarbeitenden der Apotheke, die Janina Dziemianiec betreibt, unterstützt.

"Ich koordiniere die Hilfen von Zuhause aus", berichtet Janina. "Wir erledigen Einkäufe für die Überlebenden, versorgen sie mit dringend benötigten Desinfektionsmitteln und Schutzmasken. Aber auch unsere Mittel sind begrenzt, daher kommen die finanziellen Beihilfen des Maximilian-Kolbe-Werks für die Überlebenden genau richtig".


Einige Hilfeempfänger stellen wir nachfolgend vor. 


Petr Aleksejenko (geb. 1925) wurde im Alter von 16 Jahren von seinem Heimatdorf in der Nordukraine zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt und kam anschließend ins KZ Dachau. Dort litt er Kälte und Hunger und musste unzählige Schläge, darunter auf den Kopf, über sich ergehen lassen. Seitdem hört er schlecht.

Nach dem Krieg kehrte Petr Aleksejenko in die Ukraine zurück, zog jedoch Ende der 50er Jahre nach Belarus, um dort als Kranführer zu arbeiten. Seitdem lebt er in Baranowitschi.

"Ich bin seit fast 20 Jahren Witwer, meine Kinder leben aber in der Ukraine", erzählt der 95-Jährige. "Früher haben sie mich häufig besucht, jetzt in der Corona-Krise geht das nicht."  Petr Aleksejenko verlässt die Wohnung nicht, eine Freundin seiner Tochter schaut regelmäßig nach ihm. 

Glafira Loboschewitsch (geb. 1930) hat das Lager in Kivioli überlebt. Dieses bestand von 1941 bis 1944, als Estland von Deutschen besetzt wurde. Das Lager Kivioli galt als Kriegsgefangenenlager, wurde aber auch als Arbeits- und Konzentrationslager sowie als Durchgangslager für Juden vor dem Weitertransport zur Ermordung genutzt.

Glafira Loboschewitsch wohnt allein in einem kleinen Haus. "Gut, dass ich einen Garten habe, sonst würde ich mich gar nicht nach draußen trauen", sagt die 80-Jährige. 

"Im gepflegten Garten gedeihen viele Blumen", bestätigt Janina Dziemianiec. "Unsere Ehrenamtlichen, die Glafira die Beihilfe des Kolbe-Werks brachten, wurden mit schönen Tulpen beschenkt".

Afanasij Sagradskij (geb. 1933) ist erst seit kurzem alleinstehend und muss sich an die neue Situation noch gewöhnen. Vor einem Monat ist seine Frau verstorben. Ihr Tod hat den 87-Jährigen so erschüttert, dass er ins Krankenhaus musste und nicht zur Beerdigung konnte.

Seine Tochter lebt in Minsk und wird demnächst nach Baranowitschi umziehen. Bis dahin wird der Überlebende des Lagers Konstantynow von den Ehrenamtlichen der Vereinigung ehemaliger Häftlinge versorgt.

"Die Behandlung im Krankenhaus und die hohen Beerdigungskosten bringen Afanasij in eine finanzielle Notlage", weiß Janina Dziemianiec. "Die Beihilfe des Kolbe-Werks war für ihn dringend notwendig".

Möchten Sie den KZ-Überlebenden in Belarus und anderen Ländern in der Corona-Krise helfen? Hier geht es zur aktuellen Spendenaktion.

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