Am 23. April 2025 fand ein Zeitzeugengespräch dem Holocaust-Überlebenden Dr. Leon Weintraub im Erzbischöflichen Priesterseminar Collegium Borromaeum in Freiburg statt.
Das Referat Dialog des Erzbischöflichen Ordinariats und das Maximilian-Kolbe-Werk hatten zu dieser Veranstaltung eingeladen, zu der der 99-jährige Weintraub mit seiner Frau Evamaria aus Stockholm angereist war.
Leon Weintraub erzählte den fast 100 Zuhörern von seiner Kindheit in der polnischen Stadt Łódź, wo er am 1. Januar 1926 in eine jüdische Familie geboren wurde. Ein Jahr später stab sein Vater und die Mutter musste Leon und seine vier Schwestern allein großziehen. Am 1. September 1939 sollte Leon auf das Gymnasium kommen. Doch mit dem Überfall auf Polen änderte sich sein Leben schlagartig. Es folgten Jahre des Hungerns und der schweren körperlicher Arbeit, zuerst im Ghetto Litzmannstadt, dann in mehreren Konzentrationslagern. Die Befreiung erlebte der inzwischen 19-Jährige durch französische Truppen in der Nähe von Donaueschingen. Die Nationalsozialisten ermordeten seine Mutter, die er zuletzt an der Rampe in Auschwitz-Birkenau gesehen hatte, sowie viele nahe Verwandte.
Nach dem Krieg wählte er für sich den Beruf des Arztes. 1946 nahm er in Göttingen das Medizinstudium auf und wurde Facharzt für Gynäkologie. Er heiratete eine Deutsche und gründete mit ihr eine Familie. 1950 kehrte er nach Polen zurück, promovierte und war in einer Frauenklinik als Gynäkologe tätig. 1969 verlor Weintraub in Folge des zunehmenden Antisemitismus in Polen seine Anstellung als Oberarzt und wurde zur Auswanderung gedrängt. Er wanderte mit seiner Familie nach Schweden aus. Dort lebt er bis heute mit seiner zweiten Frau Evamaria.
Leon Weintraub mahnte seine Zuhörer zu Aufmerksamkeit und Wachsamkeit angesichts der politischen Entwicklungen und dem Erstarken rechtsnationaler Kräfte in Deutschland, in Europa und weltweit, damit wir gemeinsam die Demokratie schützen, die Menschenrechte und die Menschenwürde verteidigen.
Die Besucher waren berührt von Leon Weintraubs Bericht und dankten ihm mit Applaus. Im Anschluss signierte er noch einige seiner Bücher und kam mit den Menschen ins Gespräch.

von links: der Ökumene-Vertreter der Evangelischen Landeskirche in Baden, Prälat Dr. Marc Witzenbacher, Weihbischof Dr. Peter Birkhofer, Dr. Leon Weintraub, und der Vorsitzende des Maximilian-Kolbe-Werks, Peter Weiß


